Barrierefreiheit im öffentlichen Straßenraum in Bodenheim?


SoNAH unterwegs

Dass die engen Gassen und damit verbunden die engen Gehwege im alten Ortskern wohl kaum zu ändern sind, darüber muss man nicht diskutieren. Aber ums Diskutieren ging es bei der ersten Ortgehung im sog. „Bodenheimer Kästrich“ auch nicht.

SoNAh-Schwerpunkt bei dieser Begehung:
„Generationsübergreifend sensibilisieren.“
Ganz neue Erfahrungen machten mit einer Alterssimulation als Rollator-Benutzerin und Rollstuhlschieber/-nutzerin drei jugendliche Ehrenamtliche aus der SoNAh-Arbeit. Die beiden Mädchen (10 Jahre) und der junge syrische Mann merkten, wie schwierig es ältere Menschen haben. Alleine am Berg mit dem Rollstuhl zu fahren ist fast aussichtslos.

Mit einem krankenkassenüblichen Rollator ist ebenfalls kaum eine Straßenecke in der Altstadt für einen Einkauf zu meistern. „Da kommt man ja gar nicht hoch, die Vorderräder verkanten. Wenn ich mich darauf stütze, falle ich fast automatisch hin!“ stellte Vanessa (10 Jahre) fest. „Und da, wo es eng wird, muss man dauernd auf die Straße, ganz schön gefährlich, wenn man wenig sieht und hört!“ meinte auch ihre Freundin.

Mitglieder des VG-Behindertenbeirates und des Sozialausschusses und die Caritas-SoNAh-Netzwerkstelle für Senioren inspizierten unter Führung von Ortsbürgermeister Thomas Becker-Theilig auf Antrag der SPD Fraktion insbesondere die Gehwegübergänge an den jeweiligen Straßenkreuzungspunkten. Ausgestattet mit einem Aufnahmebogen, Zollstock, Rollator, 2 Rollstühlen, einer Sehbehinderten, sowie Kamera wurde binnen 1 ½ Stunden immerhin nahezu 40 Querungsstellen erfasst. Ortsbereich für Ortsbereich soll dem Rat eine Mängelanalyse bzw. final sich hieraus ein sich ergebende Maßnahmen- und Prioritätenliste für den öffentlichen Bodenheimer Straßenraum zur weiteren Bearbeitung vorgelegt werden.

Die VG-Behindertenbeauftragte Petra Schimsheimer als Rollstuhlfahrerin, bzw. Susan Wepler als sehbehinderte Vertreterin des VG-Behindertenrats, konnten bei der Begehung wertvolle Hinweise geben.

Durch die positive Zusammenarbeit der Beteiligten konnten gute Ergebnisse, Fragenstellungen und Erfahrungen für weitere Begehungen gesammelt werden.

Vorausschauend planen: 2016 können die anstehenden Grabungsarbeiten des EWR in 21 Gemeindestraßen kostengünstig zu gleichzeitigen weiteren Absenkungen der Bordsteine genutzt werden. Die im letzten Jahr während der EWR-Grabungsarbeiten vom Ortsbürgermeister angeordneten Bordsteinabsenkungen wurden von Petra Schimsheimer gelobt und verdeutlichen die Wichtigkeit dieser Ersterfassung.

Ortsbürgermeister Thomas Becker-Theilig: „Eine solch günstige Gelegenheit wie im bevorstehenden Jahr erhalten wir so schnell nicht wieder. Diese Ausgaben für die Bordsteinabsenkungen werden sich als wichtige, kostenschonende Zukunftsinvestition erweisen. Unsere Senioren und Gehbehinderten werden es uns allemal danken.“

Projektkoordinatorin Frau Thieme-Jäger vom Netzwerkbüro weiß: in alten Ortskernen ist es überall eng. Da müssen die Generationen Hand in Hand gehen. Das klappt nur mit erhöhter Rücksicht. Langsam fahren und Vorsicht walten lassen. Auf Fußgänger mit Rollator, Kinderwagen, Rollstuhl oder Blindenstock gilt es einfach besonders zu achten.

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Begehung zum Thema Barrierefreiheit

Der Auftaktermin zur gemeinsamen Begehung zur Erfassung und Bestandsaufnahme von Schwachstellen im öffentlichen Verkehrsraum aus der Sicht Barrierefreiheit  in Bodenheim steht. Ziel: Arbeitsergebnis soll u.a. ein Maßnahmen- und Prioritätenplan sein.

Die Ortsgemeinde, vertreten durch Ortsgemeindebürgermeister Becker-Theilig und Vertreter aus dem Senioren- und Sozialausschuss, Vertreterinnen aus dem Behindertenbeirat der VG (Frau Sauer, Frau Schimsheimer, Frau Wepler) & das Seniorennetzwerk SoNAh nehmen teil.

Mittwoch 23.3.2016 – Treffpunkt 17.00 bei dem Geschäft „Family“ in der Taustraße in Bodenheim

SoNAh hat für diese erste Begehung auch generationsübergreifend zwei junge Menschen angefragt. Sie werden sich  durch eine gezielte Alterssimulation in der Situation bewegungs- und wahrnehmungseingeschränkt im Ort mit unterwegs zu sein. Die neuralgischen Punkte werden aufgenommen und auch fotografisch dokumentiert.

Wichtig für SoNAh: das Bewusstsein – „wie bewege ich mich im Alter und wie nehme ich meine Umwelt wahr“ auch für junge Menschen zu schärfen.

Für weitere Begehungen werden die Ergebnisse und die Erkenntnisse aus dieser Begehung ausgewertet und dann auf die weiteren übertragen.